| Tai Chi Chuan
Tai Chi Chuan - im Volksmund kurz "Tai Chi" genannt - ist heute in Deutschland längst kein exotischer Geheimtipp für Insider mehr, es wird heute in fast jeder Stadt an Volkshochschulen und anderen Institutionen angeboten. Man findet verschiedenste Ausprägungen und Stile mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Die einen betonen den Kampfkunstaspekt, andere die Heilgymnastik oder das meditative Element. Tai Chi Chuan ist eine umfassende und hohe Kunst, und alle, die sich darin vervollkommnet haben, berichten von wunderbaren Wirkungen der Übung. Vitalität und Beweglichkeit bis ins hohe Alter sowie geistige und seelische Ausgeglichenheit sind ihnen noch wichtiger, als die Fähigkeit, Tai Chi Chuan zur Selbstverteidigung anzuwenden. Nicht jeder Musikschüler muß gleich ein großer Künstler werden, um Freude am Musizieren zu haben. Genauso kann fast jeder, ob jung oder alt, Tai Chi Chuan mit großem Gewinn für sich selbst erlernen. Wirkungen der Übung... Ob Rücken- oder Gelenkschmerzen, Kreislaufprobleme, Streß, Konzentrationsmangel oder Nervosität - die Gründe, es mit Tai Chi zu versuchen, sind vielfältig. Oft stellen sich schon nach relativ kurzer Zeit erstaunliche Verbesserungen ein, und nicht selten ganz unerwarteter Natur: Mit Tai Chi kriege ich zum ersten Mal meine Verdauungsprobleme in den Griff" oder "Ich kann in Museen viel länger ohne Mühe stehen", "Ich hab einfach mit dem Rauchen aufgehört", "Nach dem Röntgenbild könnte ich diese Hüfte eigentlich gar nicht bewegen", "die Leute, denen ich begegne, reagieren alle viel netter" ...um nur einige Rückmeldungen von Schülern zu zitieren. Die Wurzeln des Tai Chi Chuan... Die Wurzeln des Tai Chi Chuan finden wir in der gesamten chinesischen Kultur. Sie reichen über Jahrtausende zurück. Einflüsse der traditionellen chinesischen Medizin, die Lehre von der Lebensenergie Chi, das Wissen der Kampfkünste, welches die äußeren Bewegungsabläufe prägt, sowie die Lehre von Yin und Yang, sie alle finden sich in Theorie und Praxis des Tai Chi Chuan. Der Name drückt dies aus: Tai Chi=die Mutter von Yin und Yang, Chuan=Hand oder Faust. Frei übersetzt könnte man sagen: Einswerden mit der eigenen Natur durch die Übung. Die Übungsweise... Damit wir die Übung mit bestmöglicher Wirkung praktizieren, ist Geduld und Beharrlichkeit, Ausdauer und Beständigkeit, vor allem aber ein angemessenes Verständnis möglichst vieler Aspekte der Übung wichtig. In den vorgegebenen Bewegungsabläufen der Soloübung oder "Form" wie auch in den Partnerübungen lernen wir nach und nach Prinzipien ausgewogener und natürlicher Koordination kennen. Erst wenn wir unsere eigenen Schnörkel, Verdrehungen und Verspannungen weglassen, können wir durch die Bewegungen die physiologischen Gegebenheiten unserer Gelenke, Knochen und Muskeln optimal nutzen. Nur dann werden sie effektiv für die kSelbstverteidigung und fördern gleichzeitig das harmonische Zusammenspiel sämtlicher Funktionen und Organe des Körpers. Eine Übung für Körper und Geist Erst wenn wir lernen, unsere geistigen Kräfte zu lenken, kultivieren wir wirklich unsere Lebensenergie und lernen sie konstruktiv und nicht gegen uns zu nützen. Die langsam fließenden Bewegungen werden mit geringstem Muskel aufwand ausgeführt. Bei unseren alltäglichen Tätigkeiten hingegen sind wir es gewohnt, viel zu viel unnötige Anspannung zu produzieren. Das Bild "Wenn sich eine Fliege auf die Hand setzt, so bleibt der Arm nicht starr, sondern setzt sich durch das geringe Gewicht schon in Bewegung" gibt eine Vorstellung dessen, welche Feinheit und Qualität von Bewegung wir erreichen können. Die langfristigen Auswirkungen auf Atmung, Blutzirkulation oder Nervensystem sind enorm. Ein Vokabular von Bewegung... Meister Da Liu prägte das Konzept "Tai Chi Chuan ist ein Vokabular von Bewegung". Mich hat dieser Spruch dazu angeregt, den Schülern die einzelnen Elemente oder Bausteine der Bewegungen zu verdeutlichen. Dies erleichtert nicht nur die korrekte Ausführung der Bewegungen und das Erlernen und Behalten der Bewegungsabfolge, die Übenden stellen leichter die Verbindung zu ihren alltäglichen Bewegungen her. Staubsaugen im Bogenschritt oder das "Tellerwaschen" beim Geschirrtrocknen anzuwenden, macht Spaß und erleichtert den Alltag. |